Monthly Archive for Juni, 2010

Page 2 of 2

Herberts Diamant.

Müssen wir e r t z u i°film wirklich nochmals vorstellen, bejubeln gar? Müssen wir nicht. Spätestens die EHBE-Filme sollten allen hier Lesenden klar gemacht haben, wer das ist und was die beiden drauf haben. Und so empfehlen wir einfach, morgen abend, am Mittwoch, dem 9. Juni, um 21:15 Uhr: Das routinierte Einschwenken auf den Kanal des mdr. Es wird gezeigt: Siegerrad, Mangelware, Kultobjekt – 125 Jahre Diamant.

Man versichert uns, entschuldigend fast, dass es sich dabei nicht um eine derart aufwendige Produktion wie fixed city handele…geschenkt, wir sind gespannt (schon wieder!).

Und da wir noch andere fiebrige Menschen kennen, die gerne Dinger drehen, bei denen wir dann auch wieder gern am Start sind, sei hier noch auf unseren dicken Kumpel Herbert Kresse verwiesen. Eigentlich gibt es ihn nicht mehr, aber sein Fleischerladen, der steht noch. Und den öffnet der Herbert einmal im Monat Menschen, die wiederum Dinger drehen, bei denen der Herbert und somit auch wir wieder gern am Start sind. Das Ganze nennt sich dann temporärer Laden, findet so ungefähr einmal im Monat statt und ist nichts anderes als eine Plattform, die chronisch unterbezahlten Menschen samt ihren Ideen geboten wird. Eine Mischung aus dringend nötigem Minimalkommerz (da isser wieder, die alte Sau!), Straßenfest und abgleitender Abendgestaltung. Blättert man im Kalender zurück, gab es temporäre Läden unter anderem zu den Themen Vintage Store, ENEDAS – Der Pflanzenladen, feinster Schokolade, vergessenen Fotografien, Schutzhölzern für’s Rad, wahrhaft gefährlichem Vodka… Und damit ist er uns irgendwie ans Herz gewachsen, der Herbert, und wir ihm wohl auch.

Denn: Am 2. Juli, am Vorabend des Langstreckenetappenorientierungscross Deluxe, lädt Herbert Kresse ein in die Mendelssohnstrasse 6! Critical Dirt Vorglühen nennt er das, und es werden geboten: Bierbänke, Abendsonne, Getränke, und mit etwas Glück ein Film aus dem Repertoire von…na ihr wißt schon.

Das vorher angekündigte Treffen in der BarCelOna ist somit gestrichen, wir treffen uns bei Herbert Kresse. Ohne Fußball-WM. Ab 19 Uhr.

A study in vibration.

Als wir uns im Winter 2008 dazu entschlossen, eine wertungslose Ausfahrt unter Gleichgesinnten namens Critical Dirt zu veranstalten, hatten wir eine mächtige Geburtshelferin. Sie hörte auf den schönen Namen Cyclera und war ein gar schillerndes Wesen von komplizierter Struktur.

Erdacht und erstmals umgesetzt im Jahre 2005, sollte die Retrovelo-Werksrallye den höchsten Ansprüchen genügen, die wir hatten: Unseren eigenen. Unter Frank Patitz Ägide entstand ein Event, das schon dem Namen nach zwischen Eroica und Carrera Panamericana aufgespannt war, die Elemente dieser Legenden aber in einen stilsicheren urbanen Kontext übersetzen sollte. Damit saßen wir zwischen allen Stühlen, nimmt man den Anspruch noch hinzu, kein reines Sportevent, dafür aber eines mit hoher Familientauglichkeit zu veranstalten. Gepaart mit unserer Schwäche für Kopfsteinpisten, um en passant historischen und zerrütteten Straßenstrukturen ein Lächeln aufzusetzen, zogen wir nur die wagemutigsten StadtfahrerInnen an, diese aber mit Nachdruck. Die Grundidee, die fernab klassischer Veranstaltungskategorien lag, führte zu immer neuen Umsetzungsansätzen und ausufernden Diskussionen, die die Sache nicht zuletzt für uns spannend hielten und die wir auch in der Rückschau nicht missen möchten. Letztendlich schlug sich der Anspruch der Retrovelo-Macher Frank Patitz und Matthias Mehlert an ihre Produkte eben auch in dem dazugehörigen Event nieder: Kategorien überbrücken und neu definieren, im Zweifelsfall einfache Wege verlassen und mit hohem gestalterischen Gespür in die Details gehen. Jede Cyclera war anders, aufregend, neu und wurde in der Nachschau schonungsloser Kritik unterzogen. Dass wir uns damit eine treue Anhängerschaft erarbeiteten zeigt, dass wir mit dieser Herangehensweise nicht falsch lagen.

2008 wurde die Cyclera beerdigt und übergab den Staffelstab an Critical Dirt. Wir mußten einsehen, daß der wachsende Erfolg Retrovelos und ein selbst organisiertes, zur Hauptsaison stattfindendes Event sich nicht weiter vereinen ließen. Zudem verschob sich auch Franks Fokus auf sportliches Radfahren unter ganz eigenen Vorzeichen, wurde doch in der Zwischenzeit das 24-Zoll-Ponyvelo OTTO zur Serienreife geführt.

Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, daß ohne Matthias und Frank Critical Dirt nicht existieren würde. Auch eine ganze Reihe anderer Erkundungen, “Projekte” und Ideen sind nicht zuletzt von der Unterstützung, den Anstößen und der Inspiration aus Leipzigs feinster Werkstatt maßgeblich beeinflußt. Dafür sagen wir erstens laut und vernehmlich Danke und freuen uns zweitens nachdrücklich über die Teilnahme und Unterstützung beider bei Critical Dirt. Wir verzichten in diesem Beitrag darauf, auf die Vorzüge, die Eleganz und die Verwegenheit der Räder aus Leipzig-Lindenau einzugehen, da wir davon ausgehen, daß das Interesse an Critical Dirt mindestens parallel, wenn nicht gar deckungsgleich zum Gespür für diese Feinheiten gelagert ist.